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Kas Bewertung

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"Die blaue Königin" von Erik Kellen ist ein Buch, das von der Thematik her so geschrieben ist, wie ich es vorher noch nicht zu Gesicht bekommen habe. Natürlich gibt es Bücher, in denen Schriftsteller Geschichten über Autoren schreiben. Aber so? Es ist ein Buch über einen Autoren, der verzweifelt Zugang zu seinen Charakteren sucht. So verzweifelt, dass es gar schon zerstörerische Ausmaße annimmt und in einer Intensität geschieht, die manchmal an - ja, ich spreche es aus - fast an Wahnsinn grenzt. Sein Name: Darkwater. Doch dies alles geschieht nicht ohne Grund, der sich dem Leser jedoch nur langsam, ja schleichend erschließt ...

Und Dawn? Die Heldin? Krass! Sie wurde von ihrem Arbeitgeber, einem Verlagshaus, von New York in ein kleines irisches Dorf geschickt, um dort nach der "Goldenen Gans" unter den Autoren zu suchen: Darkwater. Denn was dieser zu Papier bringt, dringt nicht nur in die Seelen der Leser, es verkauft sich auch außerordentlich gut. Doch schon lange ist der Abgabetermin für das Manuskript des Romans abgelaufen, auf den die gesamte Leserschaft und der Verleger warten. Was Dawn in dem alten Herrenhaus am Meer jedoch erwartet, wirkt wie eine Inszenierung ...

Als Leser war ich anfangs überrumpelt? Überrascht? Verwirrt? Was für ein Adjektiv trifft es am besten? Verwirrt. Ja, Verwirrung trifft es gut. Es entstand eine Frage: Wo bin ich? Bin ich in einem paranormalen Roman, in dem es neben dem Hier, dem Jetzt noch eine parallele Anderswelt gibt? Irgendwie ja. Irgendwie nein. Doch dann das Verstehen. Ja ich bin in einer Anderswelt, allerdings in eine diesseitigen Anderswelt die als Fiktion in der Fiktion aufgebaut ist, sich allerdings auf realer Ebene abspielt. Ein Buch im Buch.

Aufregend, wie eindringlich Erik Kellen, der Autor von "Die blaue Königin" den Schaffensprozess beziehungsweise die Suche nach dem Faden, der wiederum den Schaffungsprozess in Gang setzt, beschrieben hat. Vor allem anfangs, aus der Sicht von Dawn heraus, hat er auch nicht davor zurück geschreckt, den Berufsstand des Schriftstellers ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Was meines Erachtens ein sehr sympathischer Zug ist. Aber dann wird die Geschichte plötzlich sehr mysteriös, sehr düster, sehr leidenschaftlich. Es geschehen Dinge zwischen Dawn und Darkwater, die man nur als ein sinnliches Erleben, als sehnsuchtsvoll bezeichnen kann. 

Beide Charaktere sind auf der Suche nach Erfüllung - jeder auf seine Weise. Und während sie suchen, der eine nach besagtem Faden, die andere nach ihrem verschütteten Selbst, verknüpfen sich die Lebenswege der beiden Protagonisten unbeirrbar. Eine ungewöhnliche, eine faszinierende Geschichte. Weit weit weg vom Mainstream.

Kurz gefasst: "Die blaue Königin", eine Geschichte, für die man "reif" sein muss.


Die blaue Königin

Erik Kellen

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Originaltitel: Die blaue Königin
Verlag: epa media
AISIN: B00VO4DRRE
Erscheinungsdatum: 3. April 2015
Genre: Zeitgenössisch

Klappentext

Dawn ist eine ziemlich coole Verlagsmanagerin aus New York, die dem irischen Schriftsteller Ulysses C. Darkwater Feuer machen soll - sein neuer Roman ist seit Monaten überfällig. Als sie auf Achill Island eintrifft, geschieht Unerwartetes: Der Autor zieht Dawn in seinen ganz eigenen, dunklen Bann. Um den Roman noch zu retten, nimmt sie die Rolle der weiblichen Hauptfigur an und verwandelt sich in die blaue Königin. Sie taucht ein in eine Welt der Sinnlichkeit, der Phantasie und Begierden.

Quelle: Erik Kellen